Das Planetenfunkgerät für Au Pairs

Allerspätestens nach einem Monat war ich offiziell ein anerkanntes Familienmitglied. Ich war die große Schwester – manchmal gemein, meistens lieb und immer die beste Ansprechpartnerin wenn es darum ging, die Knete aus den Couchritzen zu holen oder Spielautos aus der Toilette zu fischen. Ich war da, wenn die Kinder morgens gähnend am Frühstückstisch saßen, ich war da, wenn sie wieder aus Schule oder Kindergarten zurückkehrten. Ich war diejenige, die stöhnend einen Kinderwagen inklusive drei Kindern, Snacks, Getränken, Regenjacken und Sommerklamotten den weiten Weg bis zum Spielplatz schob. Ich war anwesend bei jeder Geburtstagsfeier, bei Familienfeiern und Spieleabenden. Ich lag mit den Kindern auf der Couch wenn sie krank waren und ich habe unendliche Gute-Nacht-Geschichten vorgelesen. Der kleine Prinz hatte inzwischen nicht nur krabbeln, sondern auch laufen gelernt. Sein erstes Wort habe ich auch noch mitbekommen: „Banana“ (Banane), welches er ganz gerne und häufig in die Länge zog. Wir schrieben daraufhin den „Opus“-Song „Life is Life“ neu (er wäre sicherlich ein Riesenerfolg in Grundschulen und Krabbelgruppen geworden). Während ich laut „Life is Life“ sang, fügte der kleine Prinz ohne zu zögern „Banananana“ hinzu. Zusammenfassend: Ich war „wie die Mama – nur eben mit dunklen Haaren“.

Das einzige, was weder ich noch die Kinder wirklich bedachten: Die Zeit. Wir alle dachten nicht wirklich an den großen Abschied, der schon bald anstehen würde, auch wenn meine Gasteltern das Thema langsam aber sicher ansprachen. Sätze wie „Na und … dann spielen wir eben nächste Woche!“ oder „Wie oft müssen wir schlafen bis du wieder da ist?“ machten die Abschiedsphase nicht gerade leichter. Immer wieder versuchte ich den Kindern schonend beizubringen, dass ich nicht so schnell wieder zurückkommen würde.

Und dann kam der Tag an dem Albert Einstein die entscheidende These aufstellte: Ein Au Pair stammt einfach nicht vom selben Planeten. Das wäre der einzige denkbare Grund, wieso ich nicht so schnell wiederkommen könnte, denn ein Flugzeug von Deutschland nach Irland bräuchte ja nicht länger als zwei Stunden. Mit vielen umständlichen Erklärungen versuchte ich ihm klarzumachen, dass Deutschland auf demselben Planeten liegt wie Irland, doch ich konnte Albert Einstein nicht überzeugen. Sein Plan stand fest: Er musste einen Weg finden um in Kontakt bleiben zu können. Eine kluge Erfindung musste her, genauso wie es der richtige Albert Einstein getan hätte. Im Weltraum funktionieren schließlich weder Handy noch Internet. Während er also in den nächsten Tagen versuchte, das ultimative Planetenfunkgerät aus Lego zu bauen, nutzte ich die letzten beiden Wochenenden für Abschiedspartys mit meinen gewonnen Freunden – Au Pairs, Einheimische, Zugezogene. Alle waren wunderbar und ich bin dankbar für jede einzelne Person, die ich kennenlernen durfte. Die letzten Wochen in Irland fühlten sich genauso an, wie die letzten Wochen bevor ich Deutschland verlassen hatte. Und ich muss zugeben, dass ich noch nicht bereit war zurückzufliegen. Ich hatte mich so an die Menschen und die Sprache gewöhnt, ich hatte angefangen auf Englisch zu träumen und zu denken – ich wusste in welchem Café oder Pub ich meine Freunde antreffen würde. Ich wusste, wo die besten Einkaufsstraßen, Museen und Kinos waren oder wo der schönste Strand zu finden ist und hatte mich schlussendlich damit abgefunden, dass ein Regenschirm in Irland einfach keinen Sinn macht, da der Regen nicht von oben kommt. Ich hatte mir angewöhnt unendlich viel Knoblauch zu essen, das restliche Essen aber nicht zu würzen. Ich hatte gelernt öffentliche Verkehrsmittel effektiv zu nutzen, günstig zu reisen, die besten Hostels und Hotels zu finden. Ich habe meine Liebe zum Reisen, zu unterschiedlichen Kulturen aber vor allen Dingen zur englischen Sprache entdeckt – was mich zu meinem jetzigen Englisch-Studium beflügelt hat.

Eine Sache habe ich allerdings nicht gelernt und möchte ich auch gar nicht lernen – nämlich „Tschüss“ zu sagen. Dass Albert Einstein es nicht geschafft hat das Planetenfunkgerät zu bauen macht also gar nichts, denn in genau zwei Wochen sitze ich im Ufo nach Irland – genau, um nochmals als Sommer-Au Pair ganz neue Erfahrungen zu sammeln, in einer neuen „Stadt“ (Dorf) und mit einer neuen Gastfamilie. Allerdings, nur 10 Kilometer von Albert Einstein, Mary Poppins und dem kleinen Prinzen entfernt.

Tatsächlich gibt es dann ein HAPPY END.

Genau: “Life is Life …. Banananana!”

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Pfannkuchen am Nordpol

Deutschland mag ja ein weit entwickeltes Land sein. Wir haben ein klares System. Die wichtigsten Tage des Jahres sind fest in unserem Verstand und in unserem Kalender verankert – genau, ich spreche von Feiertagen. Tage, an denen man ohne jegliches schlechte Gewissen blau machen darf, da uns entweder wichtige geschichtliche Ereignisse oder religiöse Hintergründe ganz automatisch eine „Krankmeldung“ ausstellen. Meine Zeit in Irland hat mir aber ganz klar gezeigt, dass auf unserer Liste einer der wichtigsten, sinnvollsten und schönsten Tage fehlt. Wieso, um Himmels Willen, haben wir keinen „Pancake Tuesday“ (Pfannkuchen-Dienstag)? Natürlich, der kritische Deutsche möge jetzt argumentieren, dass wir auch mehrere Feiertage zelebrieren, an denen man sich rundum satt essen kann. Aber wie kann man denn bitte die rundum gesunde und pflanzliche ‚Grüne Sauce‘ vergleichen mit dem Genuss von dampfenden Pfannkuchen, übergossen mit heißer Schokoladensauce, bestäubt mit Zimt und Zucker oder Sahne …. oder, laut Albert Einstein nur möglich in einem Haus mit drei Kindern, mit ALLEM gleichzeitig. Ich weiß nicht, woher meine Begeisterung für diesen epischen Tag, der im Übrigen 40 Tage vor Ostern vor Beginn der Fastenzeit zelebriert wird, so plötzlich herkam – ob es daran lag, dass es das erste knoblauchfreie Rezept während meines ganzen bisherigen Aufenthaltes war und ich deshalb nahezu einen Schock – hervorgerufen durch Knoblauchentzug – erlitt?

1x Weihnachten, Bestell-Nr. 2412

Dies lässt mich zurückblicken auf eine weitere, unvergessliche und nicht allzu besinnliche irische Weihnachtszeit. Sie begann am 27. November. Albert Einstein, der sich ja schon sehr gut darin verstand den Kalender richtig zu deuten, begann an diesem Tag zielgerichtet den „Smiths“ Spielzeug-Katalog zu wälzen. Schließlich wollte er gut vorbereitet sein und schrieb seine Wünsche – nach Priorität geordnet – heraus. In Irland ist es üblich, dass die Kinder einen Brief an den Weihnachtsmann schreiben und ihn entweder per Luft- oder Rentierpost in Richtung Nordpol senden oder ihn persönlich übergeben. Der Weihnachtsmann kommt nämlich wenige Wochen vor Weihnachten in Einkaufszentren und Supermärkte und wartet dort auf Kinder, die ihm Wunschzettel überreichen möchten. Die Idee meiner Gastmutter, die Briefe per Post zu schicken, scheiterte, denn Albert Einstein hatte schon die Höhe der Portokosten im Internet recherchiert, sodass eine selbstgebastelte Briefmarke wohl nicht mehr in Frage kam. Also musste es ein persönlicher Besuch beim Weihnachtsmann sein, dem er folgenden Brief (originalgetreu übersetzt) in die Hände drückte:

„Lieber Weihnachtsmann, mein Name ist Albert Einstein. Ich war das ganze Jahr über lieb und nett, ganz besonders zu meinen Geschwistern, Mary Poppins und dem kleinen Prinzen. Weil ich es also verdient habe, hätte ich gerne folgende Geschenke: 1. Lego Polizeistation, Bestell-Nr. 7498 und 2. Lego Weltraumstation (die große), Bestell-Nr. 3172. Wenn du noch heute im Spielzeug-Katalog „Smiths“ bestellst, kommt die Lieferung ganz sicher noch bis Weihnachten an. Zumindest haben sie das in der Werbung gesagt. Bitte bring doch meiner kleinen Schwester das viel zu pinke Barbie Traumschloss, das sie sich so wünscht und meinem Bruder auch etwas Schönes. Beide können noch nicht schreiben. Albert Einstein“

Als der Brief bei Santa Claus abgegeben war, hieß es also warten, warten und nochmals warten. Eine Geduldsprobe für jedes Kind doch für mich wurde die Kindererziehung dadurch temporär erheblich leichter. Schließlich brauchte ich mir ab sofort keine Gedanken mehr darum zu machen, dass die Kleinen etwas anstellten. Sobald sie nur ein wenig aus der Reihe tanzten, nicht gehorchten, herumschrien oder ihr Gemüse nicht aufessen wollten, musste ich sie nur mit verheißungsvollem Blick ansehen und eine simple Frage stellen: „Was würde bloß Santa Claus zu eurem Benehmen sagen?“ – und schon saßen drei Engel am Tisch, die ihre Teller in Rekordgeschwindigkeit leerten. Mary Poppins wagte es einmal meine Theorie in Frage zu stellen, als sie sagte „Santa Claus ist alles in allem ein netter Mensch – der würde uns immer Geschenke bringen, egal ob wir mal ungezogen waren“. Mit der Antwort „Wer weiß, wer weiß“ war die Diskussion aber schon wieder beendet. Schließlich wollte auch Mary Poppins kein Risiko eingehen.

Selbstverständlich bin ich über die Weihnachtsfeiertage nach Deutschland geflogen und habe mit meiner eigenen Familie gefeiert. Das hielt mich aber nicht davon ab, Geschenke für „meine“ Kids unter den Weihnachtsbaum zu legen – und dem irischen Weihnachtsmann einen Brief zu schreiben:

„Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir nur eins: Pfannkuchen!“

Von Teepartys, schlafenden Fischen und verzauberten Kartoffeln

Die irische Küche – ein unzweifelhaftes Mysterium. Wie lange habe ich darauf gewartet mit dem Klischee aufzuräumen, Deutschland sei DAS Kartoffelland? Wie lange habe ich darauf gewartet, meinen ersten eigens gefangenen Fisch zu essen? Wie lange habe ich darauf gewartet eine Muschel zu „verschlingen“? Wie lange habe ich darauf gewartet ein 3-Gang-Menü zu essen? Wie lange habe ich darauf gewartet, dass „Fachfrau“ Mary Poppins mir erklärt, wie man akkurat den kleinen Finger beim Teetrinken abspreizt – nicht auf englische sondern auf „Prinzessinnenart“.

Ich habe viel gegessen in Irland. Das gebe ich zu. Aber im Endeffekt war das ja auch eine meiner Aufgaben. Ich habe gekocht und gebacken, gebraten und gebrutzelt, aufgetaut und tiefgefroren – mit Mühe und Liebe die tollsten Gerichte zubereitet und dann … ja, dann habe ich festgestellt, dass drei kleine Kinder wahnsinnig undankbar sein können. Meine Kartoffeln waren dann plötzlich verzaubert (ich habe sie gesalzen), mein Fisch schmeckte nicht wie Fisch (ich verwendete nur eine Knoblauchzehe anstatt der ganzen Knolle), meine Spaghetti waren nicht lang genug (ich brach sie durch, damit sie für die Kinder einfacher „aufzugabeln“ waren) und der Broccoli verwandelte sich in Unglück verheißende winzige Bäume, wenn ich ihn kochte – wie Albert Einstein vermutete, sowie nur „weiterentwickeltes Unkraut“.

Die Kritik traf mich anfangs sehr. Ich dachte eigentlich immer, dass meine Kochkünste gar nicht so schlecht seien. Nach etwa zwei Wochen gab ich meine brillanten Kochideen auf und richtete mich weitestgehend nach den Vorlieben der Kinder. Eine Erfahrung, die jede Familie (oder jedes Au Pair) früher oder später machen muss. Meine Gastmutter zeigte mir daraufhin ein paar irische Rezepte, wir aßen das berühmte „Irish Stew“ (Eintopfgericht mit Lammfleisch), Unmengen an Fisch und natürlich – um mit dem Klischee aufzuräumen – Kartoffeln ohne Ende. Hiermit küre ich also Irland als das neue „Kartoffelland“.

Natürlich gehörte es auch dazu, einmal einen Fisch selbst zu fangen – schließlich wohnte ich auf einer Insel. So fuhren wir eines Nachmittags mit einem Boot aufs Meer hinaus und versuchten unser Glück. Zuerst lernte ich, den Angelhaken so auszuwerfen, dass andere darunter keine ernsthaften Verletzungen erleiden mussten. Und tatsächlich war ich die erste die einen Fisch fing. Allerdings – in meiner Unwissenheit über den Fischfang – dachte ich, dass der Fisch am Angelhaken sofort tot sei. Es muss lustig ausgesehen haben, wie ich versucht habe den glitschigen Fisch wieder einzufangen, der sich wild auf dem Boden wälzte, als er mir aus der Hand sprang. Hierzu ein Ratschlag von Mary Poppins: Wenn man einen entkommenen Fisch einfangen will, sollte man fest drauftreten, weil er zugleich ganz plötzlich einschläft und man ihn dann sogar streicheln kann. Fische wären da nicht so sensibel. Na gut.

Prinzessinnenschule

Mary Poppins und ich führten eine neue Tradition im Hause ein: Teepartys mit anschließendem Gesellschaftstanz. Der kleine Prinz fungierte dabei immer als fleißiger „Kekskrümelaufsammler“ und Albert Einstein als spöttischer Beobachter. So saßen Mary Poppins und ich gerne zusammen, aßen die berühmten und sehr leckeren „Cupcakes“ und tranken Tee. Ich lernte nicht nur, dass es einfach eleganter aussah, den kleinen Finger beim Teetrinken abzuspreizen, sondern dass das unter Prinzessinnen einfach so üblich war. Selbstverständlich hatte Mrs. Poppins schon bei unserer ersten Teeparty festgestellt, dass ich keine Prinzessin war, sondern NUR ein gewöhnliches Mädchen. Auf meine Anmerkung, dass das Fingerspreizen im Königreich „Marburg“ nicht üblich sei, zuckte sie nur mit der Schulter. Wenigstens wollte sie mir helfen, einen Prinzen kennenzulernen, es war bei mir ja mittlerweile „höchste Zeit“.

Meine Fernsehabende, bestehend aus Sendungen von Barbie bis Mickey Mouse und drei Kinder auf dem Schoß, führten mich ein in die irische Welt der Snacks: Essigchips und gesalzenes Microwellen-Popcorn – sehr lecker, man muss manche Dinge einfach mehrfach probieren, bevor sie einem schmecken.

Alles in allem kann ich sagen, dass die Küche Irlands gewöhnungsbedürftig ist. Knoblauch, Zwiebeln, und Fisch, die berühmten „Fish & Chips“, die bunten „Cupcakes“ in allen Geschmacksrichtungen, Kekse mit Marshmallow-Geschmack und das wunderbare Schnellrestaurant „Eddie Rockets“. Allerdings gewöhnt man sich wahnsinnig schnell an diese ganz anderen Dinge – mittlerweile findet man mich sogar manchmal im Kino mit gesalzenem Popcorn und auch meine Gerichte schmecken ein wenig stärker nach Knoblauch.

In 80 Tagen um die Welt

Der Titel trifft nicht so ganz auf meine Reise zu, aber zumindest glaube ich zu wissen wie sich Phileas Fogg im Abenteuerroman „In 80 Tagen um die Welt“ gefühlt haben muss. Ich bin zwar nicht mit einem Dampfschiff durch den Suez-Kanal gefahren, doch war die Fahrt vom Osten zum Westen bis hin zum Norden Irlands in einem Kombi mit drei kleinen Kindern mindestens genauso spannend – auch wenn Phileas Fogg wohl durchaus die besseren Karten gezogen hatte, was die Wahrscheinlichkeit von Behinderungen des Verkehrsflusses durch Schafe und Kühe anging. Eine Woche vor meiner Ankunft in Irland teilte mir meine Gastmutter nämlich mit, dass wir in den ersten vier Wochen meines Abenteuers sehr viel reisen würden, da die Kinder Ferien hatten und dies die übliche Zeit war in den Urlaub zu fahren und die Großeltern zu besuchen. Deshalb möchte ich meinen heutigen Titel nun wie folgt abändern:

In 28 Tagen durch Irland

Wie aufregend. In meinen ersten Wochen durfte ich so viel von Irland sehen, wie man es sich nur wünschen konnte. Traumhaft schöne Küsten und Strände, wunderschöne Sonnenuntergänge, lange Spaziergänge durch die Natur und nur wenig Regen erwarteten mich in der Region „Kerry“ im Süden Irlands, wo wir die ersten 10 Tage unseres Langzeiturlaubs verbrachten. Die Familie hatte sich dort ein Ferienhaus gemietet, unweit vom Strand und von einem hübschen Dörfchen namens „Dingle“ entfernt. Die Tage im Süden verbinde ich heute am ehesten mit den typisch irischen Pubs und dem guten alten Guinness. Oh ja, es gibt kaum etwas, das mehr Spass macht, als ein Guinness, eine Gitarre, eine Flöte und ein kleiner bunter Raum, in dem sich die Gemeinschaft zusammenfindet und von ganzem Herzen feiert, lacht und singt. Gemeinschaft ist ein Wort, dass ich nach meinem Irland-Aufenthalt anders definiere: Freundlichkeit, Offenheit und Verständnis für JEDEN. Als ich nämlich zusammen mit meiner Gastmutter abends um die Häuser zog um das Nachtleben Irlands kennenzulernen, wurde ich herzlich begrüßt wie jeder andere und gehörte ganz automatisch mit dazu. Die Atmosphäre in einem Pub muss man selbst erleben, doch kann ich sagen, dass sich der „Irish Coffee“ (Irischer Kaffee mit Schuss) nicht mit diversen irischen Biersorten wie Guinness, Kilkenny oder Bulmers verträgt. Ja, ich habe ALL diese Getränke bei meinem ersten Pubbesuch ausprobiert und habe danach fröhlich Lieder mitgesungen, die ich eigentlich gar nicht kannte. Woher ich plötzlich die Texte konnte? Weiß ich nicht mehr.

Aber weiter geht die Reise in die wunderschöne Region „Donegal“: Berge, steile Klippen, feiner Sand und ein unglaublich kalter atlantischer Ozean erwarteten mich dort. Hier verbrachten wir die nächsten Wochen unseres Urlaubs bei der Großmutter der Kinder. In Donegal machte ich meine ersten Erfahrungen mit einem typisch irischen „Bed & Breakfast“, in dem ich aus Platzmangel im Haus der Großmutter in den nächsten Wochen wohnte. Altmodisch und knallbunt eingerichtet, Farben die ich nicht mal an Karneval kombinieren würde, wenn ich mich als Farbtopf verkleiden wollte – trotzdem auf eigenartige Weise aber gemütlich. In Donegal konnte ich nicht nur in die unterschiedlichsten dörflichen Akzente „reinhören“, sondern auch in die gälische Sprache, die dort oben noch gesprochen wird. Das winzige Dorf in dem wir wohnten bot nicht viele Attraktionen, es lag ziemlich abgeschieden vom Rest der Welt an einer Küste und Touristen fanden ihren Weg nur schwerlich bis dorthin. Es gab nur hin und wieder einen Höhepunkt. Einen Tag an dem die meisten Frauen aufgeregt durch das Dorf rannten und tuschelten und sich für den anstehenden „Abend der in die Geschichte eingehen würde“ aufbrezelten. Ja, ein Jungesellinnen-Abschied stand an. Ich hatte das „Glück“ an einem dieser besonderen Ereignisse anwesend zu sein. Das war der Tag auf den alle gewartet hatten, denn es gab nur eine Berühmtheit in diesem kleinen, scheinbar gar nicht unschuldigen Dörfchen: den Dorfstripper. Hätte er gut ausgesehen und nicht jedes einzelne Klischee erfüllt, wäre mir eine Nacht voller Alpträume über sich entkleidende Gartenzwerge in Nachbars Garten erspart geblieben. Aber man (frau) kann ja nicht alles haben.

An Tag 28 reisten wir zurück in die Region „Wicklow“, in der ich mich endlich richtig niederlassen, viele Freundschafen schließen konnte und all das Erlebte der letzten Wochen Revue passieren ließ. Gerade jetzt war ich im Grunde erst richtig angekommen in meinem neuen Zuhause in Greystones – nur eine dreiviertel Stunde von Irlands Hauptstadt entfernt – und hatte schon so viele Eindrücke gesammelt. Wicklow, dort wo Filme wie „Braveheart“ und „P.S. – Ich liebe dich“ gedreht wurden, spiegelte die wunderschöne Natur Irlands wieder und hier zu wohnen war für mich ein unglaubliches Erlebnis. Wer hat schon einen Strand vor der Haustür und eine Hauptstadt in unmittelbarer Entfernung? In Wicklow und Dublin lernte ich die meisten meiner Freunde kennen und für uns war es der Ausgangspunkt für alle weiteren Abenteuer.

Hätte ich – wie Phileas Fogg – eine Wette darauf abgeschlossen, dass ich von Irland so viel sehen würde wie er von der ganzen Welt, hätte ich also vermutlich gewonnen. Wo ist mein Geld?

Über mein Praktikum „Mami im Fachbereich Leben“

In einem weit entfernten Königreich lebten drei kleine Kinder – Albert Einstein, Mary Poppins und Der kleine Prinz. Herr Einstein, ein agiler Junge von 5 Jahren, verstand sich nicht nur äußerst gut im Bau von gigantischen Legostädten, sondern hatte auch das Talent seine Eisenbahngleise so zu verlegen, dass meine Füße mehreren Krankenhausbesuchen nur knapp entgingen. Er war ein wirklich schlauer junger Mann. Zugegeben, vor meinem Au Pair Aufenthalt dachte ich tatsächlich, dass meine grauen Zellen wohl nicht ganz so stark gefördert werden würden – schließlich verbrachte ich einen Großteil meiner Zeit mit Kindern unter 5 Jahren. Albert Einstein belehrte mich definitiv eines Besseren. Eine Frage wie „Wo lagert die Zahnfee eigentlich die ganzen Kinderzähne ein?“ endete in einer Diskussion über umweltbewusste Mülltrennung. Schließlich verwesen Zähne ja nicht, so Einstein, deshalb könnte es ja sein, dass der Planet irgendwann aus Milchzähnen besteht und nicht aus Atommüll. Im Ernst, an dieser Stelle möchte ich dem Erfinder von Wikipedia meinen außerordentlichen Dank aussprechen. Wieso ich diesen wunderbaren jungen Mann im weiteren Verlauf Albert Einstein nenne, dürfte somit geklärt sein.

Mary Poppins war die wunderhübsche, kleine Prinzessin von 3 Jahren, die ich nach dem gleichnamigen Film von 1964 benannt habe, den wir ungefähr 1450 Mal zusammen anschauten. Miss Poppins Begabungen waren doch eher femininer Natur – von der täglichen Auswahl des richtigen Ballkleides (ob es nun das gelbe Gewandt aus „Die Schöne und das Biest“ wurde oder das blaue Kleid von „Cinderella“ hing wohl hauptsächlich von der Stimmung ab) bis hin zur täglichen Tanz- und Singeinlage. Ihr gesamtes Leben basierte zu diesem Zeitpunkt auf einer Mischung aus Walt Disney und Feenstaub (welcher sich übrigens auch mit dem Staubsauger extrem schlecht von einem neuen Sofa entfernen lässt). Wenn nicht ihre imaginären Freunde als die „Bösen“ im Spiel hinhalten mussten, durfte ich gerne einspringen und den „verzauberten Drachen“ oder das „Biest“ spielen. Angemalt mit (zumeist) wasserlöslichen Fingerfarben sprang ich also wild durch das Haus und brauchte mir selbstverständlich keine Sorgen über die – in meiner Hinsicht – ungerechte Rollenverteilung machen. Mary Poppins klärte mich nämlich darüber auf, dass auch wenn ich einen bösen, gemeinen und obendrein hässlichen Charakter spiele, sich dieser in ihrem Spiel zum Schluss IMMER in einen wunderschönen und netten Prinzen verwandelt. Wie gerne hätte ich einmal eine Frauenrolle übernommen – leider passte das nicht zu mir, so Mary Poppins. Schade.

Junggeselle Nummer drei, welchen ich einfach nur den kleinen Prinz nenne, war gerade einmal ein Jahr alt geworden. Eine seiner Leidenschaften war das ungezwungene Lächeln, gepaart mit einem heftigen Kicheranfall, falls begründet. Seine Hobbys waren hauptsächlich das Ausräumen der Plastikdosen aus den unteren Küchenschränken und das eintönige, dennoch irgendwie rhythmische Schlagen eines Kochlöffels gegen die Spülmaschine. Weiterhin liebte er es, der Waschmaschine bei der Arbeit zuzuschauen – es drehte und drehte und drehte sich. Der kleine Prinz, mit seinem charmanten Lächeln und seinen charismatischen blauen Augen liebt des Weiteren lange Spaziergänge am Strand, um diesen Absatz so kontaktanzeigenmäßig abzuschließen, wie ich ihn auch begonnen habe.

Leben teilen, Neues lernen

Da waren nun drei kleine Kinder um die ich mich täglich kümmerte und mit denen ich Freud und Leid teilte, viele Umarmungen und Küsse, aber auch schlaflose Nächte. Das Haus meiner Gastfamilie war recht klein und deshalb war es unmöglich, einfach dem Familienleben zu entfliehen. Selbstverständlich – was ich sehr positiv anrechne – wollten mich die Kinder nicht nur während meiner Arbeitszeit ganz für sich haben. Ich denke, dass das irgendwie für mich spricht, oder? Speziell der kleine Prinz krabbelte morgens an mein Bett und starrte mich so lange an, bis ich mich im Schlaf beobachtet fühlte. Falls das nicht klappte, hatte er schnell Plan B parat und zog an meinen Haaren oder klopfte gegen das Nachtschränkchen. Schließlich bekam er ohne mich kein Frühstück. Obwohl er in den wenigsten Fällen seinen Mund traf, wollte der kleine Prinz am liebsten alles selbst machen – essen und trinken, auch Skateboard fahren und mein Handy in die Badewanne werfen.

Mary Poppins, Albert Einstein, der kleine Prinz und ich verbrachten viele wundervolle Stunden auf dem Spielplatz, in der Eisdiele, im Aquarium, am Strand, im Park, im Garten, in der Badewanne und im Spielzimmer. Natürlich war es nicht immer leicht mit drei kleinen Kindern, doch habe ich wirklich viel gelernt und hatte viel Spass.

Im Nachhinein sehe ich das Ganze schon fast gar nicht mehr als Au Pair Aufenthalt – schließlich ist das ganze keine Arbeitsstelle in dem Sinne – sondern würde es als Praktikum „Mami im Fachbereich Leben“ bezeichnen. Nicht nur sprachlich habe ich viel gelernt, sondern auch persönlich.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. (Mary Poppins hätte für heute kein anderes Ende akzeptiert.)

Vom „Deutsch sein“ im Land der „Marshmallow-Reiskeks-Toffee-Schokoladen-Biscuits“

Ist das normal? Diese Frage stellte ich mir in den ersten Wochen meines Irland-Abenteuers nicht nur einmal. Ob es nun die Tatsache war, dass ich bei meinen ersten Expeditionen durch das hübsche Küstenstädtchen Greystones oder in anderen Orten in Irland öfter von Fremden angesprochen wurde, als in meinem ganzen bisherigen Leben in Deutschland?

Kurz einzuwerfen ist die Tatsache, dass ich in einem kleinen Dorf im Landkreis Marburg-Biedenkopf aufgewachsen bin, in dem es ungefähr folgendermaßen abläuft, wenn ich – als junge Frau – aus der Haustür trete: Menschen – vornehmlich ältere Herrschaften – drehen sich von allen Seiten um oder starren zielgerichtet aus dem Fenster, unterhalten sich aufgeregt und laut darüber, wer denn diese junge Frau sein könnte, die da gerade durch die Straßen schreitet. Ich komme näher und näher – ihre Köpfe fangen an zu qualmen, denn sie haben mich immer noch keiner Sippe zuordnen können. Es wird wild über „Dorfnamen“ spekuliert und diskutiert. Nur noch zwei Meter. Ich grüße freundlich (und nein – nicht weil ich auf den Zwanziger anstatt des Fünfers im Briefumschlag zu meiner Konfirmation hoffe – ich bin längst konfirmiert) und bekomme selbstverständlich auch ein nettes „Hallo“ zurück. Ich gehe weiter. Ich spüre, wie die Blicke mich immer noch von hinten durchlöchern. Und schlussendlich höre ich noch in der Ferne „Die von Schulze’s“. Abgesehen davon dass ich diese Tradition mit den Dorfnamen nie verstanden habe – wer hätte gedacht, dass ich auch einen richtigen Namen habe. (Wenn ihr mich das nächste Mal durch das schöne Halsdorf wandern seht, werdet ihr nicht mehr so lange überlegen müssen: Einen Lebenslauf mit Passfoto und meinem richtigen Namen, erhaltet ihr bei Blickkontakt der länger als eine Minute währt).

Diese kleine Geschichte ist natürlich respektvoll gemeint und soll nur den Unterschied zur irischen Version verdeutlichen – schließlich bin ich ja nur die deutsche Art gewöhnt, an anderen Menschen interessiert zu sein: nämlich stillschweigend und reserviert.

In Irland läuft das eher folgendermaßen ab: Eine junge Frau (ich) tritt aus der Haustür eines hübschen Hauses am Rande der Kleinstadt Greystones – auf dem Weg zur nächsten größeren Ortschaft Dun Laoghaire um sich dort auf einen Kaffee mit einer neuen Au-Pair-Freundin zu treffen. Ich lief also durch die Straßen, runter zur Hauptstraße und mein Interesse galt hauptsächlich dem Verkehr, der dort üblicherweise auf der „falschen“ Straßenseite unterwegs ist. Das erste Reifenquietschen vernahm ich nach dem fünften Haus, das ich passierte. Nachdem ich voller Erleichterung festgestellt hatte, dass ich noch lebte, sah ich, dass neben mir das Auto der Nachbarin zum Stehen gekommen war. Sie kurbelte die Scheibe herunter und fragte strahlend und voller Begeisterung wer ich denn sei, da sie mich nun schon zum zweiten Mal die Straße hinunterlaufen sah. Ich war völlig geschockt – wollte sie nicht erst einmal eine Weile über meine Identität spekulieren? Ich stellte mich freundlich vor und sie bot mir direkt einen lift (Mitfahrgelegenheit) zum Bahnhof an, den ich eigentlich auch zu Fuß erreichen könnte. Ich wollte ihr freundliches Angebot aber nicht ablehnen und nachdem wir den Bahnhof erreicht und wir uns noch ein wenig unterhalten hatten, lud sie mich auf eine Tasse Tee für das kommende Wochenende ein. Wow. Wie freundlich, oder? Eine Fremde hatte tatsächlich mit mir gesprochen.

„Mein rechter, rechter Platz ist frei“

Den nächsten Kontakt mit der typisch irischen Freundlichkeit machte ich im Zug. Die meisten Sitzplätze waren frei, sodass ich mir einfach den Platz neben dem Eingang aussuchte. Während der „richtige“ Sitzplatz in Deutschland derjenige zu sein scheint, der sich am weitesten von unseren Mitmenschen entfernt befindet (Menschen hetzen durch kilometerlange Züge um das letzte KOMPLETT freie Sitzabteil zu ergattern!), ist es in Irland eher so, dass man sich gerne zu anderen Menschen dazusetzt – schließlich hat man sonst gar niemanden zum Reden, wie mich der nette Herr ganz verwundert aufklärte, welcher sich sofort zu mir setzte. Eine weitere Dame gesellte sich zu uns und so gestaltete sich meine Zugfahrt nach Dun Laoghaire als sehr unterhaltsam und wirklich abwechslungsreich.

Endlich angekommen in einem kleinen Cafè direkt am Meer wusste ich gleich, dass meine neu gewonnene Au Pair-Freundin und ich auch kulinarisch noch einiges dazulernen würden: Wer hätte gedacht, dass ich auf einer Speisekarte jemals „Marshmallow-Reis-Toffee-Schokoladen-Biscuits“ finden würde?

Und ja – DAS ist völlig normal (aber zur Küche Irlands komme ich das nächste Mal).

Wie ich Mary Poppins, Albert Einstein und den kleinen Prinzen traf

Terminal 2, Frankfurter Flughafen – seither einer meiner absoluten Lieblingsorte auf der ganzen Welt. Dort stand ich nun – am Rande meines Abenteuers. Mein Traum vom Ausland war zum Greifen nah. In einer Hand hielt ich die Schatzkarte zum Glück, in der anderen meine sorgfältig gefaltete Regenjacke. Ok, zugegeben, die genannte Schatzkarte bezeichnen andere eventuell als Bordkarte – naja Karte ist Karte. Der Abschied von meiner Familie und Freunden fiel mir in der Tat nicht leicht und ich kann mich noch ziemlich genau an die Bauchschmerzen erinnern, die ich bekam als ich die Sicherheitskontrolle passierte, weil ich viel zu verkrampft den Tränensturm bekämpfte, der aus mir hervorzubrechen drohte. Tatsächlich, ich habe es sogar geschafft.

Ich war irgendwie nicht darauf vorbereitet, aber bereits im Flugzeug begann mein irisches Abenteuer. Die Stewards (ja, männlich) waren Iren! Ich muss sagen, ich fand es doch sehr amüsant, dass diese direkt das erste Klischee erfüllten: rote Haare. Wie schön Sicherheitseinweisungen doch sein können, wenn zwei zwergenähnliche Gestalten (ok, das war wohl etwas übertrieben) mit ihrem wunderbaren Akzent darum bitten: „Please fasten your seatbelt. The airplane is ready for take-off.“ („Bitte ziehen Sie Ihren Sicherheitsgurt fest. Das Flugzeug ist zum Start bereit.“) Unterhaltsam waren auch die irischen Geschäftsmänner, die ein paar Reihen vor mir Wetten auf Pferderennen abschlossen oder die zwei irischen Frauen, die sich über Kindererziehung unterhielten. Sie erwähnten dabei die Vornamen ihrer Kinder – in meinem ganzen Leben hatte ich noch nie solch kreative und wohl traditionelle Namen gehört. Ein Mann weiter hinten im Flugzeug sang ein Lied, dass er auf seinem Ipod, Ipad, Iphone oder einem ähnlichen portablen ‚I` laut abspielte – er sang auch die Instrumente mit.

Also, zu diesem Zeitpunkt – soweit man nur sechs Menschen schon statistisch erschließen kann – wusste ich schon folgendes über die Sorte Mensch, mit der ich die nächsten 10 Monate meines Lebens verbringen würde: rothaarige, eher kleinere, kinderliebende, pferdesportbegeisterte Zeitgenossen mit komischen Namen und einem Hang zu Musik und schrägem Humor. Klingt doch nach einer erlebnisreichen und unterhaltsamen Zeit, oder?

„Welcome to Ireland, Annika“

Als ich aus dem Flugzeug trat, überkam mich dann plötzlich Panik. In nur wenigen Minuten würde ich meine Gastfamilie treffen – die Menschen, mit denen ich in den nächsten Monaten so viel Zeit verbringen würde. Gastvater, Gastmutter und zwei kleine Kinder von 5 und 3 Jahren und ein Baby von 9 Monaten erwarteten mich. Ich folgte der Masse zur Gepäckausgabe. Mein Gepäck kommt in der Regel als letztes. Ein Glück, dann habe ich ja noch ein paar Minuten um mich ein wenig zu beruhigen, dachte ich mir. Das Gepäckband begann seine stetigen Runden zu drehen und ich verfolgte die Kreise mit meinen Augen. Eventuell hatte es ja eine hypnotische Wirkung auf mich, wer weiß. Das erste Gepäckstück platschte mehr oder weniger auf mein neu entwickeltes „Beruhigungsmittel“ – natürlich waren es meine beiden Koffer, die an diesem Tag zuerst den Weg ins Freie fanden. Trotzdem war ich eine der letzten Personen, die ihr Gepäck vom Band nahmen. Schließlich dreht sich das Ding ja nicht umsonst im Kreis – mein Gepäck würde schon nicht wieder in dem schwarzen Loch verschwinden, aus dem es gekommen war. Als ich dann aber feststellte, dass ich wohl etwas seltsam drein schaute, wie ich da so neurotisch mein Gepäck mit den Augen verfolgte, entschloss ich mich dazu – endlich – nach draußen zu gehen.

Natürlich war jegliche Aufregung völlig umsonst gewesen. Dort, wo viele Menschen von ihren Angehörigen mit einem Schild wie „Willkommen zu Hause“ oder aber von seltsam gekleideten Männern mit Schildern wie „Mr. Sukuromotolingutotoblablabla“ freundlich empfangen wurden, standen auch zwei kleine Kinder mit einem Schild für mich, … NUR für mich: „Welcome to Ireland, Annika“. Wie aufregend.

Endlich lernte ich drei kleine Engel kennen: „Mary Poppins“, „Albert Einstein“, und „Der kleine Prinz“ mitsamt ihrer Eltern lächelten mir voller Vorfreude entgegen und in dieser Sekunde wusste ich, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – dort neben der Abfalltonne von McDonalds am Dubliner Flughafen in IRLAND.