Berlin durch meine Augen

Seit 10 Monaten lebe ich nun schon in Berlin. In Charlottenburg, dem ganz und gar hippen Szene-Stadtteil (haha) mit seinen glitzernden Seen umsäumt von Altbau-Charme.

Ein Ort, an dem der Asiate – neben dem Thailänder – neben dem Inder – neben dem Russen – neben dem anderen Asiaten – neben dem Italiener – neben dem Spanier – neben dem Ägypter – und – neben dem Dönermann in Frieden koexistieren, brutzeln, braten, dünsten und dönern kann. Ein befremdlicher Odeur zieht in meine Richtung, während Hähnchen im Schaufenster tanzen – in einer Stadt, in der es extrem einfach ist, Vegetarier zu sein.

Dort wohne ich, fast neben dem Barbier auf der einen Seite, der sich neben dem Barbier rechts und dem anderen Barbier links befindet und sein internationales Salatschüssel-Klientel durch den gleichen, millimetergenauen Bartschnitt doch irgendwie zu einem Einheitsbrei verrührt– in einer Stadt, in der der wildbärtige Freidenker regiert.

Es gibt hier ziemlich charmante Menschen Hunde. Hunde sind groß in Berlin. So mancher scheint der Herr seines Herrchens zu sein, doch stört das wenig, denn die kuriosen Straßen, die sie entlang spazieren müssen, erscheinen interessanter. Wer könnte es ihnen übel nehmen beim Anblick der prächtigen Fassaden, der lebendigen Menschenmassen, der seltsamen Sexkino-Massagesalon-Casino-Videothek-Kombinationen – in einer Stadt, in der es so einfach wäre, nicht hinzuschauen.

Es gibt hier ziemlich charmante Hunde Menschen. Du könntest mit vielen befreundet sein, doch bist du es mit den wenigsten richtig. Es ist ein Einfaches, Obdachlose unter der nächsten Brücke öfter zu sehen, als viele deiner Freunde. Niemand hat Schuld. Berlin ist schnelllebig und die Zeit vergeht schneller, Menschen sind distanzierter und die Distanzen sind größer – in einer Stadt, in der Mauern spät fallen, aber fallen.

Man hört hier viel in Berlin: Ein Potpourri aus dem Allerlei. Ob Musik oder Sprache, alles ist übersetzt und manchmal trotzdem nicht zu übersetzen. Im Untergrund hört man Bässe vibrieren, in Cafés hört man Leute tuscheln, in der Bahn schreit oft die Stille ziemlich laut. Ob du nun auf Englisch schweigst, auf Arabisch oder grenzüberschreitend ist mir egal. Es ist ein liebenswertes Kauderwelsch  – in einer Stadt, die niemals schläft.

Ich mag dich, Berlin. Du bringst mich dazu, Neues zu probieren, gleich und doch anders zu denken, hinzuschauen, Mauern zu überwinden und aufgeweckt zu bleiben. Man kann hier alles sein in Berlin – in einer Stadt, in der man einfach sein kann.

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