15 Sekunden Irland (1): Verliebte Monster

Es war einmal ….an einem Donnerstag in Irland: „Anni, weißt du was? Ich habe heute Nacht etwas seltsames geträumt. In meinem Traum waren zwei Monster. Aber sie waren nett. Und verliebt. Ein bisschen verliebt. Kannst du mir ein Bild von den beiden zeichnen?“, fragte mich der 3-jährige kleine Romantiker, auf den ich derzeit in Irland aufpasse. Denn „Monster“ können sich auch verlieben. Seht selbst. Happy End.

 

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Ich mag [eigentlich] jeden! (Teil 5)

Dieses „eigentlich“ begrenzt das ganze leider, wenn es darum geht neue Freunde zu finden. Nach wem schaut man sich um wenn man nach neuen Freunden sucht – neuen Wegbegleitern für einen kurzen oder langen Zeitraum seines Lebens? Vielleicht nach Menschen, die ähnliche Interessen haben, die die gleichen Ansichten teilen und die einem eben irgendwie sympathisch sind. Und jetzt komme ich wieder mit meinen Disney-Filmen: Ich dachte immer, ich wäre so ein bisschen wie Pocahontas oder die weibliche Version von Tarzan – einfach offen für Neues und jedermann. Lianenschwingend von Land zu Land und interessiert an diesen neuen „Fremden“ – … egal wie sie aussehen, wo sie herkommen und welche Ansichten zum Leben sie haben. Grundsätzlich ist das auch richtig, doch was passiert wenn das Leben einen eines Abends auf einen kleinen italienischen Sportplatz führt, auf dem man Menschen trifft, die so anders aussehen und so anders sind, als die meisten Menschen, mit denen ich sonst meine Zeit verbringe.

Durch eine Freundin meiner Gastmutter lernte ich einige der Straßenkünstler aus den Straßen Desenzanos kennen. Fast alle waren von Armen bis Beinen tätowiert und hatten ungefähr 10 Piercings (pro Körperteil). Bekleidet waren die meisten mit weiten Hippi-Hosen und bunten Tops. Irgendwie „unnormal“ in meiner Welt. Oder? Sie jonglierten Bälle, Messer und Fackeln oder trainierten sonstige Straßenkunststücke. Als ich über den mit Flutlicht beleuchteten Sportplatz schaute, wurde mir klar, dass ich die einzige war, die hier irgendwie „unnormal“ aussah. Ich schaute an mir runter: Ich bereute dass ich mich am Morgen für das Sommerkleid und die geblümten Ballerinas entschieden hatte. Wieso hatte ich nicht die wasserlöslichen Spiderman-Tattoos mitgenommen, die ich von den Kindern meiner letzten Gastfamilie geschenkt bekommen hatte? Irgendwie war mein erster Gedanke: Oh man… hier passe ich irgendwie nicht rein. Doch nach wenigen Minuten bot mir einer der Jonglage-Künstler an, mir beizubringen wie man jongliert. Nach nur einer halben Stunde, war es dann alles normal. Ich lernte wunderbare Menschen, mit wunderbaren Ansichten zum Leben – nicht ganz so abgedroschen und langweilig wie ich sie kannte.

Ab diesem Tag verbrachte ich den ein oder anderen Tag in den Straßen Desenzanos und beobachtete Menschen, die andere Menschen zum Lachen brachten – und obwohl sie des öfteren mit spöttischen Blicken angestarrt wurden wegen ihres Aussehens und zu der Kategorie „Mensch“ zugeteilt wurden, von der man „lieber Abstand hält“ wusste ich, dass sie wunderbare Menschen waren.

Und nur durch diese Menschen konnte ich hinter eines der Erlebnisse auf meiner Italien-„To-Do-Liste“ endlich einen Haken machen: Auf einer Vespa durch die Straßen Italiens fahren. Danke.

Vielleicht hätte ich vorher noch einmal Pocahontas schauen sollen, dann hätte sie mich daran erinnert:

„Für dich sind echte Menschen nur die Menschen,
die so denken und so aussehen wie du.
Doch folge nur den Spuren eines Fremden,
dann verstehst du, und du lernst noch was dazu.“ (Das Farbenspiel des Winds)

Ich mag jeden. Und ich habe jonglieren gelernt.

 

Ciao! I would like to order gelato, per favore! (Teil 4)

Es war einmal an einem Samstagnachmittag in Venedig. Zwei abenteuerlustige junge Frauen stürzen sich ins Abenteuer Italien. Doch der Umsetzung der waghalsigsten Pläne kam – wie immer – etwas in die Quere: das Eiscafè. „Weißt du wie man Eis auf Italienisch bestellt?“, fragte mich meine neugewonnene amerikanische Au Pair-Freundin. „Ja, zum Glück habe ich das mittlerweile gelernt“, antwortete ich stolz und hielt nach dem Service in der Gelateria Ausschau. Mittlerweile hätte ich „Eis essen“ ohne Probleme auf einem sozialen Netzwerk unter Hobbys eintragen können – gleich neben „Pasta essen“ und „Kaffee trinken“. Anscheinend war ich schon innerhalb weniger Wochen zu einer Pseudo-Italienerin mutiert.

Dem italienischen Essen eilt definitiv der Ruf voraus. Pasta, Pizza, Eiscreme, frisches Obst, Weißbrot und Olivenöl. All das stand regelmäßig auf meiner Speisekarte. Ich war ja ganz froh dass andere Gemüsesorten den Rosenkohl und das Sauerkraut ersetzten (ok, ich tue gerade so als ob ich das ständig essen müsste) und als großer Fan von Pasta, liebte ich sämtliche Nudelgerichte, die mir in Italien vor die Nase gesetzt wurden. Und ich habe wieder viele Dinge über mich gelernt:

1) Ich bin ein Espressoholiker!

Es ist halb 11, abends. „Möchtest du noch einen Kaffee?“ Ich schätze es gibt einige die nun dankend verneinen würden, wenn sie daran denken, dass es ja bald ins Bett geht. Als Kaffeeliebhaberin und als Mensch der keine Probleme mit dem Einschlafen nach Kaffeekonsum hat, verbrachte ich viele Abende mit dem Kochen bzw. Trinken von Kaffee. Aber nicht irgendein nullachtfünfzehn Kaffee aus der stinknormalen Kaffeemaschine. Zubereitet in einer Moka (kleine, irgendwie altmodische Espressomaschine) schlürfte ich jeden Abend den stärksten Espresso der Welt, denn in Italien heißt es Kaffee = Espresso. Seither bin ich ein Espresso-Fan.

2) Ich bin ein Herbivore!

Ich weiß es macht keinen Sinn, aber in meinem nächsten Leben möchte ich ein Dinosaurier sein (oder ein Schmetterling). Allerdings, sollte ich als Dinosaurier wiedergeboren werden, dann ganz sicher als einer der Herbivoren. Jeder der mich kennt weiß, dass ich kein großer „Fleischfresser“ bin. Allerdings ist es in Italien relativ normal auch Pferde aufzuessen, deswegen würde ich mein einziges „negatives“ Erlebnis so beschreiben: Ich hätte fast ein Stückchen Pferd gegessen. (In meiner Kindheit habe ich ungefähr 300 Wendy-Hefte gelesen und genügend Reitstunden genommen um das zu begründen – und ja ich weiß, Tier ist Tier).

3) Ich liebe Pizza Margherita!

Während ich in Deutschland niemals eine Pizza Margherita bei einem Lieferservice bestellen würde (weil es einfach zu viele andere Pizzen gibt, die kreativer belegt sind), schwöre ich in Italien auf eine schlichte und einfache Pizza Margherita! Probieren lohnt sich! Der Käse dort ist irgendwie… käsiger.

4) Ich bin ein Gelatofetischist!

Ich habe es ja nun schon erwähnt und auch mein ganzes Reisetagebuch „Buongiorno, Gelatoland!“ benannt. Ja, ich bekenne mich dazu: Ich liebe Eiscreme. Aber mal ehrlich? Wer könnte schon an Eisdielen, die mit überlebensgroßen Plastik-Eiswaffeln vor der Türe werben und deren Eiscremesorten wunderschöne italienische Namen (eigentlich sind es ja normale Wörter) tragen, vorbeigehen ohne sich einmal richtig zu belohnen.

Apropos Eiscreme. Zurück nach Venedig. Gerade kam der italienische Eisverkäufer an unseren Tisch. Ganz selbstbewusst grüßte ich und bestellte zwei Eisbecher auf Italienisch. Jetzt kommt allerdings der Haken den so ein Grundsprachschatz mit sich bringt: Der Herr Italiener geht natürlich nach meiner Glanzparade einer Bestellung auch davon aus, dass ich den Rest verstehe. Er plappert also weiter fröhlich auf Italienisch und fragt noch etwas bezüglich meiner Bestellung. Mein ratloser Blick verrät ihm dann aber schließlich: Tourist! Also ein kleiner Tipp am Rande: Eine Mischung aus Englisch und Italienisch befriedigt den eigenen Lernerfolg aber lässt einen nicht wie ein Trottel dastehen: „Ciao! I would like to order gelato per favore!“