Wie ich Mary Poppins, Albert Einstein und den kleinen Prinzen traf

Terminal 2, Frankfurter Flughafen – seither einer meiner absoluten Lieblingsorte auf der ganzen Welt. Dort stand ich nun – am Rande meines Abenteuers. Mein Traum vom Ausland war zum Greifen nah. In einer Hand hielt ich die Schatzkarte zum Glück, in der anderen meine sorgfältig gefaltete Regenjacke. Ok, zugegeben, die genannte Schatzkarte bezeichnen andere eventuell als Bordkarte – naja Karte ist Karte. Der Abschied von meiner Familie und Freunden fiel mir in der Tat nicht leicht und ich kann mich noch ziemlich genau an die Bauchschmerzen erinnern, die ich bekam als ich die Sicherheitskontrolle passierte, weil ich viel zu verkrampft den Tränensturm bekämpfte, der aus mir hervorzubrechen drohte. Tatsächlich, ich habe es sogar geschafft.

Ich war irgendwie nicht darauf vorbereitet, aber bereits im Flugzeug begann mein irisches Abenteuer. Die Stewards (ja, männlich) waren Iren! Ich muss sagen, ich fand es doch sehr amüsant, dass diese direkt das erste Klischee erfüllten: rote Haare. Wie schön Sicherheitseinweisungen doch sein können, wenn zwei zwergenähnliche Gestalten (ok, das war wohl etwas übertrieben) mit ihrem wunderbaren Akzent darum bitten: „Please fasten your seatbelt. The airplane is ready for take-off.“ („Bitte ziehen Sie Ihren Sicherheitsgurt fest. Das Flugzeug ist zum Start bereit.“) Unterhaltsam waren auch die irischen Geschäftsmänner, die ein paar Reihen vor mir Wetten auf Pferderennen abschlossen oder die zwei irischen Frauen, die sich über Kindererziehung unterhielten. Sie erwähnten dabei die Vornamen ihrer Kinder – in meinem ganzen Leben hatte ich noch nie solch kreative und wohl traditionelle Namen gehört. Ein Mann weiter hinten im Flugzeug sang ein Lied, dass er auf seinem Ipod, Ipad, Iphone oder einem ähnlichen portablen ‚I` laut abspielte – er sang auch die Instrumente mit.

Also, zu diesem Zeitpunkt – soweit man nur sechs Menschen schon statistisch erschließen kann – wusste ich schon folgendes über die Sorte Mensch, mit der ich die nächsten 10 Monate meines Lebens verbringen würde: rothaarige, eher kleinere, kinderliebende, pferdesportbegeisterte Zeitgenossen mit komischen Namen und einem Hang zu Musik und schrägem Humor. Klingt doch nach einer erlebnisreichen und unterhaltsamen Zeit, oder?

„Welcome to Ireland, Annika“

Als ich aus dem Flugzeug trat, überkam mich dann plötzlich Panik. In nur wenigen Minuten würde ich meine Gastfamilie treffen – die Menschen, mit denen ich in den nächsten Monaten so viel Zeit verbringen würde. Gastvater, Gastmutter und zwei kleine Kinder von 5 und 3 Jahren und ein Baby von 9 Monaten erwarteten mich. Ich folgte der Masse zur Gepäckausgabe. Mein Gepäck kommt in der Regel als letztes. Ein Glück, dann habe ich ja noch ein paar Minuten um mich ein wenig zu beruhigen, dachte ich mir. Das Gepäckband begann seine stetigen Runden zu drehen und ich verfolgte die Kreise mit meinen Augen. Eventuell hatte es ja eine hypnotische Wirkung auf mich, wer weiß. Das erste Gepäckstück platschte mehr oder weniger auf mein neu entwickeltes „Beruhigungsmittel“ – natürlich waren es meine beiden Koffer, die an diesem Tag zuerst den Weg ins Freie fanden. Trotzdem war ich eine der letzten Personen, die ihr Gepäck vom Band nahmen. Schließlich dreht sich das Ding ja nicht umsonst im Kreis – mein Gepäck würde schon nicht wieder in dem schwarzen Loch verschwinden, aus dem es gekommen war. Als ich dann aber feststellte, dass ich wohl etwas seltsam drein schaute, wie ich da so neurotisch mein Gepäck mit den Augen verfolgte, entschloss ich mich dazu – endlich – nach draußen zu gehen.

Natürlich war jegliche Aufregung völlig umsonst gewesen. Dort, wo viele Menschen von ihren Angehörigen mit einem Schild wie „Willkommen zu Hause“ oder aber von seltsam gekleideten Männern mit Schildern wie „Mr. Sukuromotolingutotoblablabla“ freundlich empfangen wurden, standen auch zwei kleine Kinder mit einem Schild für mich, … NUR für mich: „Welcome to Ireland, Annika“. Wie aufregend.

Endlich lernte ich drei kleine Engel kennen: „Mary Poppins“, „Albert Einstein“, und „Der kleine Prinz“ mitsamt ihrer Eltern lächelten mir voller Vorfreude entgegen und in dieser Sekunde wusste ich, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort war – dort neben der Abfalltonne von McDonalds am Dubliner Flughafen in IRLAND.

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